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Michael Frayn
Michael Frayn wurde 1933 in der Nähe Londons geboren. Nach seinem Schulabschluß wurde er 1952 zur Royal Army eingezogen und zunächst zu einem einjährigen Russisch-Lehrgang nach Cambridge geschickt. Dies ermöglichte es ihm, einige Wochen in Moskau zu studieren. Von dort kehrte er mit der Meinung zurück, daß der kalte Krieg ein „armseliges Affentheater“ sei. Nach der Entlassung aus der Armee ging Frayn nach Cambridge zurück.
 
Sein Studium der Philosophie war geprägt durch Ludwig Wittgenstein. Als wichtigster Lehrer hatte dieser maßgeblichen Einfluß auf Frayns Gedankenwelt und sein späteres Schreiben.
 
Nach dem Examen arbeitete Frayn zunächst fünf Jahre als Zeitungsreporter, 1962 folgte der Wechsel als Kolumnist und Kritiker zur angesehenen Wochenzeitung „Observer“. Seit 1965 ist er als einer der erfolgreichsten europäischen Gegenwartsautoren für Bühne, Film und Fernsehen sowie als Übersetzer von Tolstoi, Tschechow oder Anouilh freiberuflich tätig.
 
Die Kritiker bescheinigten Michael Frayn stets das Talent, neuen Witz, Köpfchen und philosophische Gedanken in das Genre der englischen Farce einzubringen. Selbst ein Stück wie der 1980 entstandene Welterfolg „Noises off“ („Der nackte Wahnsinn“), das zunächst wie ein wilder Angriff auf die Lachmuskeln erscheint, handelt einerseits von der fragwürdigen Illusion des Theaters, in dem schon eine falsche Bewegung eine sorgfältig geschaffene Fiktion zerstören kann, und andererseits davon, wie wir alle nach außen hin ruhig und geordnet wirken, obwohl in uns Chaos herrscht.
 
Der Autor Michael Frayn leugnet seine Faszination an Strukturen und an der ewigen Schlacht zwischen Ordnung und Unordnung nicht. „Ordnung ohne Unordnung geht nicht“, sagt er. Immer wieder beziehen sich seine Stücke auf Wittgensteins Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen Realität und Wahrnehmung, auf den Unterschied zwischen Gesagtem und Gemeintem und die Endlichkeit der Sprache, wenn es um die Darstellung der Wirklichkeit geht.

Als Romanschriftsteller machte sich Michael Frayn schon früh einen Namen. Viele seiner Bücher wurden preisgekrönt. Für das britische Fernsehen schrieb Frayn Drehbücher. Mit „First and last“ gewann er 1989 einen Emmy, den wohl wichtigsten Fernsehpreis der Welt. Aber auch mit dem Drehbuch zu dem Kinofilm „Clockwise“ („In letzter Sekunde“) machte er Furore.
 
Großes Lob bei der Kritik erntete Frayn für seine Bearbeitung von Tschechows umfangreichem Platonow-Material unter dem Titel „Wild honey“ („Wilder Honig“). Ungewöhnlich, aber typisch für den sehr gut deutsch sprechenden Frayn, ist auch die Anfertigung eines neuen, englischen Librettos für Jacques Offenbachs Operette „Die schöne Helena“. Unter dem Titel „La belle vivette“ wurde dieses Werk an der National Opera in London uraufgeführt.
 
Das deutsche Publikum kennt Michael Frayn vornehmlich durch seine Bühnenwerke. „Der nackte Wahnsinn“ und „Kopenhagen“, zwei seiner bekanntesten Stücke, liefen mit großem Erfolg zwischen 1996 und 2002 auch am Renaissance-Theater.

Michael Frayns Stück „Demokratie“ erlebte 2003 seine Uraufführung im National Theatre in London und wurde anschließend auch ans Westend transferiert, wo es mehrfach verlängert wurde. 2003 wurde es jeweils als "Best Play" mit dem Evening Standard Award, dem Critics Circle Award und dem South Bank Award ausgezeichnet. 2005 wurde es dann sogar am Broadway in New York gespielt.

Der Deutschsprachigen Erstaufführung in unserem Theater unter der Regie von Felix Prader mit Peter Striebeck als Willy Brandt 2004 folgten weitere Inszenierungen am Theater Lübeck und am Staatstheater Oldenburg sowie eine Tourneeproduktion durch Deutschland und Österreich. Im Jahr 2006 strahlte der SWR eine Hörspielfassung von „Demokratie“ aus.
 
Ebenfalls am Renaissance-Theater erfolgreich war 2007 die Deutschsprachige Erstaufführung von „Verdammt lange her (Donkeys’ Years)“ unter der Regie von Torsten Fischer. Sein neuestes Stück „Afterlife“ feierte im Juni 2008 am Londoner National Theatre Premiere.

Für seinen letzten Roman „Das Spionagespiel“, der zur Leipziger Buchmesse 2004 in deutscher Übersetzung erschien, erhielt Frayn 2002 den "Whitbread Novel Award".
 
(Stand: Juni 2008)
 

Aufführungen:
DEMOKRATIE
KOPENHAGEN
VERDAMMT LANGE HER (Donkeys' Years) -Gastspiel des RT-
DEMOKRATIE -Gastspiel des RT-
VERDAMMT LANGE HER (Donkeys
DER NACKTE WAHNSINN
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