ARCHIV | STÜCKE | PORTRÄTS
Harold Pinter
Harold Pinter wird am 10.10.1930 als Sohn von Jack Pinter, einem Damenschneider, und
seiner Frau Frances (geborene Moskowitz) in Hackney/East London geboren. Seine
Großeltern, osteuropäische Juden, waren um die Jahrhundertwende nach London
gekommen. Pinter verbringt seine Kindheit in Hackney, einem Arbeiterviertel, bis er 1939 bei
Kriegsausbruch mit wechselnden Stationen aufs Land evakuiert wird. Erst 1944 kehrt er zu
seinen Eltern nach London zurück. 1948 beendet Pinter die Hackney Downs Grammar
School, wo er erste Rollen im Schultheater gespielt hatte. Er erhält im Herbst ein Stipendium
für sein Schauspielstudium an der renommierten Royal Academy of Dramatic Art in London,
das er nach einem Jahr abbricht.
Aus Gewissensgründen verweigert er den Wehrdienst und muß seinen Antrag 1948/49
zweimal vor der militärischen Prüfungskommission und danach zweimal vor dem Zivilgericht
verteidigen. Die Verweigerung wird zwar nicht anerkannt, das Verfahren aber schließlich
eingestellt.
In Poetry London erscheinen 1950 erstmals Gedichte von Pinter, und er bekommt erste
Engagements als Sprecher/Schauspieler im BBC-Hörfunk. 1951 nimmt er von Januar bis Juli
an der Central School of Speech and Drama für zwei Semester seine Schauspielausbildung
wieder auf. Im Herbst schließt er sich dem Ensemble des irischen Prinzipals Anew McMaster
an, dem er später in seinem autobiographischen Text Mac, der 1968 erscheint, ein Denkmal
setzt. Fünf Spielzeiten lang tourt er als Schauspieler mit McMaster durch Irland, bis er 1953 für
eine Saison ein Engagement am King’s Theatre, Hammersmith/London erhält. Anschließend
spielt er unter dem Namen „David Baron“ bis 1957 an diversen Provinzbühnen.
1956 heiratet er die Schauspielerin Vivien Merchant, mit der er bis 1975 zusammenlebt. 1958
wird ihr Sohn Daniel geboren. 1957 wird Pinters Kurzdrama „Das Zimmer“ uraufgeführt. Um
die gleiche Zeit entstehen auch „Der stumme Diener“ und „Die Geburtstagsfeier“, Pinters
erstes abendfüllendes Stück.
In den folgenden Jahren schreibt Pinter Stücke, Drehbücher und Hörspiele und gilt schon
bald als einer der bedeutendsten englischen Dramatiker. Er arbeitet auch als Regisseur und
Schauspieler und wird 1973 für zehn Jahre Mitglied der künstlerischen Leitung am Londoner
National Theatre. In diese Zeit fällt auch die Uraufführung von „Betrayal“ („Betrogen“) unter
der Regie von Peter Hall am National Theatre. 1980 wird die Ehe mit Vivien Merchant
geschieden, im gleichen Jahr heiratet Pinter Lady Antonia Fraser.
6
Von jeher ein Gegner der Apartheid und Befürworter einseitiger atomarer Abrüstung, äußert
sich Harold Pinter 1973 erstmals offen politisch und protestiert gegen die Mitwirkung der USA
beim Sturz des chilenischen Präsidenten Allende. In den 80er Jahren verstärkt sich Pinters
Engagement und manifestiert sich auch unmittelbarer als zuvor in seinem Werk. Zusammen
mit Arthur Miller reist er 1985 als Vize-Präsident des englischen PEN-Clubs in die Türkei, um auf
deren politisch verfolgte Autoren aufmerksam zu machen. Er protestiert vehement gegen
die dortigen Polizeistaat-Methoden, die Kurden-Verfolgung, die Folterung Gefangener und
besonders die Unterstützung des türkischen Regimes durch die USA. Außerdem setzt sich
Pinter für die Verteidigung der Menschenrechte in Nicaragua ein und attackiert auch hier
scharf die US-Unterstützung der Contras. 1986 gründet er zusammen mit Lady Antonia die
„June 20th Society“, ein intellektuelles Forum, zu dem u.a. Salman Rushdie, Germaine Greer,
Ian McEwan, David Hare und Margaret Drabble gehören, das sich als Opposition zur
Tory/Thatcher-Politik begreift und bis 1992 besteht. In den folgenden Jahren veröffentlicht
Pinter zahlreiche politische Essays, engagiert sich nachhaltig gegen Unterdrückung und
Menschenrechtsverletzungen in allen Teilen der Welt, arbeitet für Amnesty International und
spricht sich später u.a. gegen den ersten Golfkrieg und die Bombardierung Serbiens aus. Als
er 2002 den Ehrendoktor der Universität Turin erhält, kritisiert er in seiner Dankesrede den
Irakkrieg und die amerikanische Außenpolitik aufs schärfste und erregt damit weltweit
Aufmerksamkeit.
Im Laufe seines Lebens werden Harold Pinter weltweit beinahe alle wichtigen Literaturpreise
verliehen. Im Jahr 2005 erhält er den Nobelpreis für Literatur.
Im Laufe der Jahrzehnte inszeniert Pinter nicht nur seine eigenen, sondern ebenso die Stücke
anderer Autoren, darunter James Joyces „Verbannte“ - was 1970 zur Wiederentdeckung des
Stückes führt, mehrere Uraufführungen von Simon Gray, 1976 Noël Cowards „Fröhliche
Geister“, 1985 Tennessee Williams’ „Süßer Vogel Jugend“ mit Lauren Bacall, David Mamets
„Oleanna“ (1993) und Reginald Roses „Die zwölf Geschworenen“ (1996).
Auch als Schauspieler kann man ihn immer wieder sehen, zumeist in Neu-Inszenierungen
seiner eigenen Stücke, aber auch in Filmen wie „Mojo“ (1997), „Mansfield Park“ (1999) und
„Der Schneider von Panama“ (2000).
Am 24.12.2008 stirbt Harold Pinter in London.

Aufführungen:
BETROGEN

zurück
Kartentelefon : +49-30-312 42 02 | CMS by STAPIS GmbH