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Deutsche Erstaufführung
DIE ZIEGE ODER WER IST SYLVIA?

von Edward Albee

Deutsch von Alissa und Martin Walser

Martin ist in den besten Jahren und hat beruflich den Zenit seines erfolgreichen Lebens erreicht. Gerade bekam er als jüngster Preisträger in der Geschichte den prestigeträchtigen Pritzker Preis für Architektur überreicht. Nun soll er das visionäre Millionenprojekt World City bauen. Martin ist ein vielbeschäftigter und hochgeehrter Mann. Seine Ehe mit Stevie ist seit langem außerordentlich glücklich. Vollkommen wird das familiäre Glück durch den 17-jährigen Sohn Billy, dessen Homosexualität für seine Eltern kein Thema ist.

Auch die Medien interessieren sich für Martins Erfolgsgeschichte. Um ein TV-Interview mit ihm zu machen, besucht Ross, der beste Freund der Familie, Stevie und Martin. Noch scherzt Martin mit seiner Frau, doch wirkt er bereits leicht gequält und unkonzentriert, als sei er hier und doch woanders. Kaum ist er mit Ross allein, gesteht er ihm, dass er seit sechs Monaten eine Affäre hat. Er beschwört ihn, Stevie nichts davon zu erzählen. Zunächst scheint dieses Geständnis nicht so dramatisch. So etwas kommt schließlich in den besten Ehen vor: doch handelt es sich in Martins Fall nicht nur um eine banale Affäre, sondern um Liebe. Er schildert Sylvia, das Objekt seiner Liebe, auf das Liebevollste. Schließlich gibt er Ross ein Photo von Sylvia, und Ross fällt aus allen Wolken: Sylvia ist eine Ziege.

Edward Albee thematisiert mittels dieser provokanten Geschichte die Fragen von Liebe, von Treue und von gesellschaftlichen Tabus. Er hat mit „Die Ziege oder Wer ist Sylvia?“ ein Stück geschrieben, das es nicht auf vordergründige Brüskierung anlegt, sondern einfach fragt: wie weit darf Liebe gehen? Wer oder was ist diese unmögliche Sylvia? Eine Epiphanie – eine Offenbarung -, wie Martin sagt? Oder eine Krankheit? Ein Skandal? Das Chaos, das einen heimsucht und Lebensordnung und Vernunft zerstört? Oder sucht Martin etwa gar das Chaos, weil ihm auf der Insel seines glücklichen Lebens etwas fehlt? „Wir sind auf das schlimmste gefasst ... doch was wissen wir? Wir wissen nichts!“ sagt Stevie, Martins Frau. Albee lässt das Stück als leicht schräge Komödie der Vergesslichkeit und des Verdrängens beginnen und führt es dann in einen Kampf, wo Worte nichts mehr lindern oder bannen, sondern in die Katastrophe führen. Die Grenzen zwischen Komik und Entsetzen werden fließend. Er nennt sein Stück: Notes Toward a Definition of Tragedy – Aufzeichnungen auf dem Weg zu einer Definition von Tragödie.

„Die Ziege oder Wer ist Sylvia?“ wurde im März 2002 am Golden Theatre in New York mit Mercedes Ruehl und Bill Pullman in den Hauptrollen uraufgeführt. Das Stück erhielt den "New York Drama Critics Award" sowie den "Tony Award" für das beste Stück des Jahres am Broadway. Die Deutschsprachige Erstaufführung hatte am 10. Januar 2004 in der Regie von Andrea Breth am Wiener Akademietheater Premiere.



mit
Thomas Fränzel, Uwe Bertram, Andrea Sawatzki, Christian Berkel
Regie Felix Prader
Bühne Werner Hutterli
Kostüme Gabriele Kortmann

Spieldauer ca. 2 Stunden 10 Minuten inkl. Pause

GÄSTEBUCH
© Freese, Foullois/ drama- berlin.de

© Freese, Foullois/ drama- berlin.de

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