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Heinz Bennent
Heinz Bennent wurde 1921 in Stolberg geboren. Seine Schauspielausbildung erhielt er bei Felix Emmel und debütierte 1945 am Badischen Staatstheater Karlsruhe in Don Carlos. Seit 1947 arbeitet er frei und trat an allen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen sowie in Frankreich und bei den Salzburger Festspielen auf.
Heinz Bennent spielte u. a. den Jerry in Pinters Betrogen (1979, Staatliche Schauspielbühnen Berlin, Regie: Heinz Lietzau), den Andersen in Enquists Aus dem Leben der Regenwürmer (1984, Bayerisches Staatsschauspiel München, Regie: Ingmar Bergmann), die Rolle des Schauspielers in Dieter Dorns Uraufführungsinszenierung von Botho Strauß’ Besucher und 1992 den Narren in Dieter Dorns Lear-Inszenierung an den Münchner Kammerspielen.
Einen großen Erfolg feierte Heinz Bennent zuletzt als Hamm in Becketts Endspiel an der Seite seines Sohnes David (1995/96 am Théâtre Vidy-Lausanne, anschließend Tournee).
Heinz Bennent wirkte außerdem in vielen Film- und Fernsehproduktionen mit wie Volker Schlöndorffs Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1976) und Die Blechtrommel (1979), Margarethe von Trottas Schwestern oder Die Balance des Glücks (1980), François Truffauts Die letzte Métro (1980) und in diesem Jahr in Rainer Kaufmanns Noll-Verfilmung Kalt ist der Abendhauch.
2001 erlebte am Renaissance-Theater Berlin „Ich bin der Mann meiner Frau“ – Ein Theatersolo von und mit Heinz Bennent nach Texten von Anton Tschechow – seine Deutsche Erstaufführung.
 
„Heinz Bennent ist ein komischer Kautz und ein begnadeter Schauspieler; ein scharfer Denker und ein alberner Wicht. Ein jugendlicher Herr, der je älter er wird, um so jünger erscheint, kindlicher, verspielter – ohne ein Jota von seinem Wissen, seiner Erfahrung, seiner Intelligenz dafür zu opfern. Ein Phänomen. Eben noch hat er Hölderlin erklärt, Zeile für Zeile, hat analysiert und reflektiert, da, plötzlich, ändert er Stimme und Gebaren. Er hakt sich bei seinem Besucher unter, zieht das rechte Bein nach, krümmt den Rücken, macht einen katzenähnlichen Buckel, grinst blöde- schon halten die Autos an, die Fahrer lächeln mitleidig, und wir erreichen wohlgelaunt und wohlbehalten die andere Straßenseite: ‚Nur so schafft man es- alt und krank und schwer beschädigt. Wenn die wüßten, dass ich schlecht höre....’ Diese Übung gefällt Bennent sehr. Sie ist ein Kinderspiel für einen alten Mann, der zu klug ist, um immer ernst zu sein. Das Spiel eines Schalks. Wer Bennent auf der Bühne sieht, erlebt den ernsthaften Schauspieler, den klugen Interpreten; einen Schauspieler, der genau weiß, was er tut, und immer wissen will, warum er spricht und sich bewegt- warum so und nicht anders.....Er, der zu den besten deutsch- und französischsprachigen Schauspielern zählt; der Theater verließ, weil ihm die Arbeit an einem Haus keine Freude mehr machte oder er mit Intendanten und Regisseuren nicht zurecht kam, ist – so selbstbewußt er scheint - ein großer Zweifler, vor allem am eigenen Können. Er gleicht darin Alberto Giacometti, der einst klagte: ‚Es ist fürchterlich: Je mehr man an einem Bild arbeitet, desto unmöglicher wird es, es zu vollenden.’“
(Aus der liebevollen Hommage des Theaterkritiker C. Bernd Sucher am18.7.2001 in der Süddeutschen Zeitung zum 80. Geburtstag von Heinz Bennent)
 
Heinz Bennent verstarb am 12. Oktober 2011.

Aufführungen:
ICH BIN DER MANN MEINER FRAU
BILDBESCHREIBUNG / HYPERION
ICH BIN DER MANN MEINER FRAU -Gastspiel des RT-
(c) Privat

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