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Peggy Lukac
Die Rolle der ängstlichen und besorgten Mutter in "Ein Fenster zur Straße", die immer im falschen Moment Angst hat und sich um Dinge Sorgen macht, um die sie sich nicht zu sorgen brauchte, spielte Peggy Lukac 1996 am Renaissance-Theater Berlin.

Geboren in New York, aufgewachsen in Wien, kam sie nach dem Studium der Theaterwissenschaft 1972 nach Berlin und war gleich dabei, als sich einige Schauspieler zusammentaten und eine freie Gruppe gründeten, die sich der Idee des politischen Volkstheaters verschrieb und einige Jahre lang mit Erfolg praktizierte die "Theatermanufaktur".

Mit ihrem ersten Solostück "Menschenlandschaften" von Nazim Hikmet vollzog sie 1982 die Abnabelung von dieser Gruppe. Anschließend spielte sie am Grips-Theater, am Renaissance-Theater und mehrere Jahre am Schiller-Theater; das heißt, sie lernte die Arbeit an etablierten Bühnen dieser Stadt kennen - eine wertvolle Erfahrung bei ihrer Suche nach einem eigenen Weg. Diesen Weg sieht Peggy Lukac inzwischen im "grenzüberschreitenden Verkehr" zwischen eigenen, freien Theaterproduktionen und der Arbeit als Gast an festen Häusern. Ohne Scheu und ideologische Vorurteile das eine tun und das andere nicht lassen, offen und beweglich bleiben, das ist ihre Devise.

So verfolgt sie eine Idee, die beim Sammeln von Kriegstagebüchern und Briefen aufkam, zur Gründung einer Gruppe mit dem programmatischen Namen "Tiefenenttrümmerung" führte und schon in mehreren Projekten Gestalt annahm: Es ist die Beschäftigung mit der Innenansicht des Faschismus, mit den verschütteten Gedanken und Gefühlen von Menschen, die die Raserei und Zerstörung des Zweiten Weltkriegs miterlebt haben und deren Stimmen die Trümmer bislang noch nicht durchdrungen haben. Peggy Lukac will ausgraben statt zuschütten und ihr gelingen erstaunliche Funde, die bestätigen, wie wichtig ihre Anstrengungen sind; zum Beispiel "Die Galizianerin", der Überlebensbericht der Eva Deutsch, aufgeschrieben von Brigitte Schwaiger, an die 70 mal mit großem Erfolg szenisch erzählt von Peggy Lukac. Die Ausgrabungen gehen weiter, die nächsten Funde sind in Sicht.

(Stand: März 1996)

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