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Arthur Schnitzler
Bereits 1880 gehörte der promovierte Mediziner Arthur Schnitzler (1862-1931) dem Wiener Literatenzirkel "Jung Wien" an, der u. a. Hugo von Hoffmansthal, Richard Beer-Hofmann und Karl Kraus zu seinen Mitgliedern zählte. Sich vom Naturalismus ab- und dem Symbolismus, dem Im-pressionismus und der Dekadenzdichtung zuwendend, prägten sie die österreichische Literatur der Jahrhundert-wende. In dieser Zeit des literarischen Umbruchs trat auch der "rote Faden" in Schnitzlers Schriften mehr und mehr hervor, der sich sowohl literarisch als auch gesellschafts-analytisch insbesondere von den Thesen Sigmund Freuds leiten ließ. Zunächst findet das Motiv der Verdrängung, später verstärkt jenes des Un-/Unterbewussten Eingang in sein Werk. So entfaltet sich auch in der "Kleinen Komödie" (1895) ein Mikrokosmos, in dem das Versteckspiel zwischen weiblicher und männlicher Psyche erforscht wird.

Den Kriegswirren des Jahres 1914 ist es zu schulden, daß Arthur Schnitzler nicht in die Reihen der Nobelpreisträger für Literatur aufgenommen ist: Obgleich das Nobel-komitee ihm mitgeteilt hatte, der Preis würde zu gleichen Teilen an ihn und Peter Altenberg verliehen, wurde 1914 die Verleihung der Preise schließlich gänzlich ausgesetzt. Doch auch ohne Medaille gilt Schnitzler heute nicht nur als literarisches Pendant zu Freud, sondern auch als Re-präsentant und Kritiker seiner Zeit: Schnitzler, der sich selbst gleichermaßen als Jude, Deutscher und Österreicher betrachtete, verurteilte Antisemitismus, Doppelmoral und Krieg und musste sich daher fortwährender Zensur beugen.

"Was nun im besonderen Arthur Schnitzler betrifft, so scheint hier [...] zu bemerken, daß er repräsentativ für eine Epoche, ein Land, eine Monarchie war und ist; daß seine dramatische und epische Leistung mit den lächerlichen privaten Konfessionen und Reportagen der "jungen Generation" nicht zu vergleichen ist; daß seine Sprache der dichterische Reiz der Melancholie auszeichnet und nicht der blanke, nackte Schimmer einer Tatsachenhäufung und nicht das Rufzeichen-Pathos politischer Anklagen."
Joseph Roth, 1930

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