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Moisés Kaufman
Längst ist er kein Geheimtip mehr – und so war es wirklich kein gewagtes Unterfangen von Jane Fonda, als sie sich entschloß, für ihre erste Broadway-Rolle nach 46 Jahren einem Stück des vielfach ausgezeichneten Moisés Kaufman aufzutreten. Daß seine Stücke immer wieder den Nerv unserer Zeit treffen, hat der 1963 in Caracas geborene, 1999 von der Künstlervereinigung Venezuelas ‚Casa del Artista’ zum Künstler des Jahres gewählte, Moisés Kaufman schon mehrfach bewiesen. Der ehemalige Schauspieler ein Allroundtalent, das nicht nur als Theater- und Filmregisseur, als Theatergründer,-leiter und als Autor mit höchstem Kritikerlob, Ruhm und Preisen überhäuft wurde.

In seinem Heimatland gründet er die experimentelle Theatercompagnie Thespis; 1987 zieht er zum Regiestudium nach New York. Es dauert nicht lange und er ist wieder Theaterdirektor: 1991 beginnt seine Karriere mit dem gemeinsam mit Jeffrey LaHoste gegründeten preisgekrönten Tectonic Theater Project, das Kaufman bis heute als Direktor leitet. Nachdem in den frühen Jahren u. a. Stücke von Samuel Beckett, Franz Xaver Kroetz ("Das Nest"), Sophie Treadwell und Naomi Iizuka auf dem Programm standen, bringt 1997 sein erstes eigenes Stück "Unzucht – Die drei Prozesse des Oscar Wilde" ("Gross Indecency: The Trials of Oscar Wilde") den Durchbruch. Es regnet Theaterpreise: Als Bestes Stück gewinnt es den Lucille Lortel Award, den Outer Critics Circle Award, den Garland- und den Carbonell Award. Auch Kaufmans  Inszenierung und die Produktion werden mit Preisen, darunter wieder der hochangesehene Outer Critics Circle Award.

Als 1998 in Laramie, Wyoming, USA, der junge Matthew Shepard wegen seiner Homosexualität von Jugendlichen ausgeraubt und fast zu Tode geprügelt wird, geht Aufschrei durch die US-amerikanische Öffentlichkeit. Kaufman und seine Theatermitglieder fahren nach Laramie: Über 200 Interviews, Gerichtsprotokolle, Nachrichtensendungen führen zu einer minutiösen Rekonstruktion der Ereignisse vor nach der Tat. "Das Laramie Projekt" ("The Laramie Project"), der bewegende Aufruf Toleranz, wird vom Time Magazin zu einer der besten 10 Theateraufführungen des Jahres 2000 gezählt. Der Erfolg ist so überwältigend, daß der TV-Sender HBO das Stück mit hochkarätigen Besetzung (u.a. Peter Fonda, Joshua Jackson, Christina Ricci, Laura Linney und Steve Buscemi) verfilmt, Regie: Moisés Kaufman. Daß es 2002 für das prestigeträchtige Sundance Film Festival ausgewählt wird, ist ebenso ein Gütesiegel die Einladung zur Berlinale einen Monat später. 2003 räumt Kaufman mit der Broadway-Inszenierung von Doug Wrights "Ich mach ja doch, was ich will (I am my own wife)" über das Leben der Charlotte von Mahlsdorf, eine Produktion des Tectonic Theater Projects, alle bedeutenden Regiepreise ab und bringt das u.a. mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Stück auf den Weg zu seinem internationalen Erfolg.

Für seine Broadway-Produktion der "33 Variationen", einer Liebeserklärung an die Musik Beethovens, wird Kaufman für den Tony-Award 2009 in der Kategorie Bestes Stück nominiert. Bereits 2008 wurde es mit dem Steinberg/ATCA Award ausgezeichnet.

(Stand: Januar 2010)

Aufführungen:
33 VARIATIONEN
Moisés Kaufman, © Verlag

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