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DREIER

von Jens Roselt

Eine Frau und zwei Männer - Ehe, Liebschaft, beste Freunde. Der betrogene Ehemann steht unerwartet vor der Tür, die Frau und Geliebte verschwindet unter dem Bett, der Freund und Liebhaber öffnet: So weit ist alles normal, das Beziehungsdrama als Lustspiel könnte beginnen: Doch der Moment der Möglichkeiten zerplatzt wie eine Seifenblase. Die Konstellation erinnert an eine Versuchsanordnung.

Jede Variante der Täuschung wird durchgespielt. Jede denkbare Situation wird angetestet und wieder verworfen. Eine quälende Farce beginnt, in der keiner sich eine Blöße geben will und keiner Position bezieht, bis das Drama schließlich doch seinen Lauf nimmt. Beinahe unabsichtlich reihen sich die Gemeinheiten aneinander. Nicht Waffen, sondern Reißzwecken sind die Worte, die sich Frau, Ehemann und Liebhaber um die Ohren hauen.
In schnell geschriebenen Dialogen wird innerhalb des Dreiecks im verwirrenden Versteckspiel der Frage nachgegangen, wer zu welchem Zeitpunkt wie viel davon wußte, wer mit wem schlief. Das Bett als Bühne - drauf, drin, drunter. Doch für die Drei, die glauben, alles im Griff zu haben, kommt es zum stillen Amoklauf.
Mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor und ironisch zitierten Elementen des Lustspiels würzt der Autor Jens Roselt sein Stück, das bittere Einblicke in die trostlose Gefühlswelt einer städtischen Mittelschicht gewährt. Für die Figuren ist Vertrauen ein Wort ohne Sinn, und Liebe hat nur noch etwas mit Eitelkeit zu tun. Zynismus, die schwarze und bequeme Form der Ironie, schwebt über allem was die Drei tun. Manchmal kommt es zu einer Ahnung von wahren Gefühlen zwischen ihnen, aber kaum ausgesprochen, ist es schon zu spät, um ihnen zu glauben.

Die Schauspielerin Tina Engel stand in der Spielzeit 2002/2003 in Felix Praders Inszenierung von Yasmina Rezas Stück "Die Reise in den Winter" auf der Bühne des Renaissance-Theaters. Jetzt stellt sie sich in Berlin erstmalig als Regisseurin vor.



mit
Naomi Krauss, Ben Becker, Max Hopp
Regie Tina Engel
Bühne und Kostüme Paul Lerchbaumer

Spieldauer ca. 1 Stunde 15 Minuten. Keine Pause

GÄSTEBUCH
© Iko Freese/ drama-berlin.de

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