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ENIGMA

von Eric-Emmanuel Schmitt

Deutsch von Annette und Paul Bäcker

Der junge Erik Larsen reist auf eine kleine, abgelegene Insel zu dem dort wie ein Einsiedler lebenden Literaturnobelpreisträger Abel Znorko. Er wird mit zwei Schüssen, die ihn um Haaresbreite verfehlen, empfangen. Der Eindringling ist Journalist und will ein Interview. Anlaß ist Znorkos neuester Bestseller: ein Roman in Form von Liebesbriefen. Larsen hat den Verdacht, die Briefe seien nicht ganz frei erfunden und nicht ausschließlich von Znorko. Natürlich geht es um die Briefpartnerin. Wer ist diese Frau? Eine Geliebte aus Fleisch und Blut oder eine Erfindung? Ein hartnäckiger Zweikampf entsteht um die Lösung dieses Rätsels, dieses Enigmas. Aus dem zunächst einfachen Interview entsteht eine außergewöhnliche Geschichte über die Liebe.

Es ist ein Enigma, ein Rätsel, um das sich die beiden Männer erbittert streiten. Schmitt führt an das Rätsel heran, man glaubt sich der Lösung spürbar nahe und letztlich entschwindet sie wieder, entgleitet. Der Autor versteht es, das Unsichtbare zu beschreiben, ohne es wirklich sichtbar zu machen. Er behandelt im Wort die dem Stück zugrunde liegende musikalische Vorlage: Edward Elgars „Enigma Variations“. Dem englischen Komponisten zufolge läuft durch und über die Variationen ein anderes Thema, dass noch wichtiger ist, aber nicht gespielt wird. Ein ganz bekanntes, aber nicht in Erscheinung tretendes Motiv, das den Variationen zugrunde liegt, ihre eigene Faszination ausmacht, eben ein Rätsel, ein Enigma, ist. Bis heute konnten die Musikwissenschaftler die Hintergründe nicht entschlüsseln. Die Wahrheit bleibt verhüllt. Elgar hat sein Enigma mit ins Grab genommen. Gerade das ist die Faszination bei Elgar wie bei Schmitt, oder wie es im Stück heißt: Das schöne an einem Mysterium ist doch das Geheimnis, das in ihm wohnt, und nicht die Wahrheit, die darin verborgen ist.

„Enigma“ („Variations enigmatiques“) wurde am Théâtre Marigny uraufgeführt und veranlaßte das Premierenpublikum zu fünfzehn Minuten stehenden Ovationen für den Autor und seine beiden Protagonisten Alain Delon und Francis Huster.


mit
Justus von Dohnányi, Mario Adorf
Regie Volker Schlöndorff
Bühne Werner Hutterli
Kostüme Uta Loher

Spieldauer ca. 2 Stunden inkl. Pause

GÄSTEBUCH
© Iko Freese/ drama-berlin.de

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