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DER MANN DES ZUFALLS

von Yasmina Reza

Deutsch von Eugen Helmlé

Das Abteil eines Zuges von Paris nach Frankfurt. Ein Mann. Eine Frau.
Er ist Schriftsteller, ihr Lieblingsschriftsteller.
Sie hat sein neues Buch, „Der Mann des Zufalls“, in der Tasche, als Reiselektüre. Aber sie traut sich nicht, es in seiner Gegenwart herauszunehmen.
Erst recht fehlt ihr der Mut, ihn einfach anzusprechen.
Dass die Gedanken der beiden ähnliche Themen umkreisen, verleiht dem Schweigen zwischen ihnen eine schmerzliche Schärfe. An Enttäuschungen haben beide zu knabbern. Bei ihm, dem von Natur aus Mürrischen, sind es berufliche Kränkungen und persönliches Ungemach: Schlaflosigkeit, die Verlobung seiner Tochter mit einem deutlich älteren Mann, verletzende Worte eines Freundes über sein neues Buch...
Bei ihr ist es ein mehr oder weniger verzweifeltes Hadern mit dem Ende von Freundschaften: durch Tod, durch Entfremdung.
Der geheime Dialog, den sie mit ihm führt, verleiht dem Schweigen zwischen ihnen auch eine schmerzliche Komik. Sie lässt das Leiden an Einsamkeit und Isolation zusammenschrumpfen auf die Angst, sich lächerlich zu machen: Ist er nicht komisch, dieser einsame Wolf, dieser „Kapitän des verlorenen Schiffes“ (so der Arbeitstitel seines letzten Buches), den das Selbstmitleid überwältigt? Ja und Nein. Sie bewundert seine wütend negative Weltsicht. Sie erkennt die lebensbejahende Energie in seinen radikalen Äußerungen. Sie versteht, warum er seine Warmherzigkeit hinter Zynismus versteckt. Sie betet, er möge sie ansprechen...
Zwei Fremde im Zug – Rezas minimalistisches Drama baut die Spannung ebenso unmerklich wie unausweichlich auf. Und ist ein schöner Beweis dafür, dass sich Erotik im Kopf abspielt.
Werden diese beiden Menschen das Abenteuer einer Begegnung wagen, einer Begegnung mit offenem Visier?



mit
Mario Adorf, Ilse Ritter
Regie Harald Clemen
Bühne Martin Kukulies
Kostüme Uta Loher
Musik Peter Kaizar

Spieldauer ca. 1 Stunde 30 Minuten. Keine Pause.

GÄSTEBUCH
© Iko Freese/ drama-berlin.de

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