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LA MALADIE DE LA MORT

Gastspiel am Renaissance-Theater

von Marguerite Duras

Ein Zimmer am Meer. Ein Mann fordert eine Frau auf, mit ihm eine unbestimmte Zeit in diesem Zimmer zu verbringen. Er will der Frau nahe kommen, er will »es versuchen«, sagt er. Sie fragt: Was versuchen? Er sagt: Zu lieben. Die Frau willigt ein. Die Versuchs-anordnung steht.
 
Marguerite Duras' betörende und geheimnisvolle Erzählung "La Maladie de la mort" ("Die Krankheit Tod") ist ein Beob-achtungskunstwerk. Zwei Men-schen experimentieren – grund-sätzlich nachts - mit Liebe und Abhängigkeit, mit Verlangen und Verzicht, mit Leben und Tod. Sie sind Beobachter jeder ihrer Regungen und sind selbst unter Beobachtung - eines Erzählers? Eines Publikums? Eines Freundes? Und worin besteht die "Krankheit Tod", von welcher der Mann heillos befallen scheint? Etwa gar in der Unfähigkeit zu lieben? Etwa darin, daß einer den Drang nicht kennt, "einen Geliebten zu töten, ihn für sich zu behalten, für sich allein, ihn zu nehmen, ihn zu rauben, gegen alle Gesetze der Welt, gegen alle Mächte der Moral"?

Unter den vielen Leserbriefen, die Marguerite Duras erhielt, waren auch viele eines jungen Philosophiestudenten namens Yann Lemée aus Caen. Eines Tages läßt sie sich zu einer Antwort herab und bestellt Yann zu sich nach Trouville. Er kommt und bleibt bis zu ihrem Tod bei ihr. Der blasse, blonde, homosexuelle, 27jährige Student wird zum Lektor, Assistenten, Berater, Manager und verläßlichen Partner an ihrer Seite. Eine Symbiose, die auf beide einen eigentümlichen Reiz ausübt. Yann Lemée geht bis zur Selbstaufopferung in seiner Aufgabe auf, Marguerite Duras, deren größte Liebe bisher den Frauenhelden galt, entdeckt in seiner unbeholfenen Anmut und Zartheit eine neue Figur. Er inspiriert sie zu dem Text „La maladie de la mort“.
 
1982 war für Marguerite Duras das Jahr der Risiken auf allen Ebenen. Dem Alkohol verfallen wurde eine Entziehungskur unumgänglich. Yann Lemée begleitet sie ins Krankenhaus und wacht bei ihr, als sie ihr Gedächtnis verliert, phantasiert und in panische Angstzustände verfällt. Kaum erlangt sie ihr Gedächtnis wieder, setzt sie fast nahtlos die Arbeit an dem vorher begonnenen Manuskript „La maladie de la mort“ fort, in das sie die eigenen Erfahrungen der Grenzüberschreitungen einfließen läßt.

mit
Fanny Ardant
Regie Bérangère Bonvoisin
Kostüme Nathalie Raoul

Spieldauer ca. 1 Stunde. Keine Pause

GÄSTEBUCH
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