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Robert Thomas
Geboren 1927 in Gap (Hautes-Alpes) verläßt Robert Thomas schon mit siebzehn Jahren sein Elternhaus, um in Paris Schauspieler zu werden. Doch seine Bemühungen zeigen zunächst keine Erfolge, aber um die Zeit nicht verstreichen zu lassen, beginnt er Stücke zu schreiben – seine zweite große Leidenschaft. Eines davon bietet er dem Théâtre des Bouffes-Parisiens an – und erzielt einen durchschlagenden Erfolg. „Piège pour un homme seul (Die Falle)“ wurde in die ganze Welt verkauft und wird bis heute gespielt, so zur Zeit z. B. in Montréal.
„Von heute auf morgen hatte ich Freunde, einen Impresario, Rendezvous. Ich kann niemandem mehr vom Fach begegnen, ohne daß er mir nicht sagt: ‚Hätten Sie nicht zufällig ein Stück für mich’?“
Mit dem Erfolg ergibt sich auch immer wieder die Gelegenheit für Thomas zu spielen – sogar seine eigenen Text, was ihm die Möglichkeit gibt, die Reaktion des Publikums unmittelbar zu verfolgen. Außerdem führt er bei zahlreichen Verfilmungen seiner Texte selbst Regie.
Er selbst zeichnete für die Regie seiner Adaption von Félicien Marceaus Theaterstück „La bonne soupe“ verantwortlich und stand gleichzeitig als Schauspieler vor der Kamera. In den Hauptrollen der Twentieth Century Fox Produktion von 1963 spielten Annie Girardot, Jean-Claude Brialy, Claude Dauphin und Franchot Tone.
 
Sein Metier sind die Kriminalgeschichten mit einem Schuß Komödie: „Ich liebe das lustige Durcheinander, das Publikum zum Lachen und gleichzeitig zum Zittern zu bringen.“
So verwundert es kaum, dass Robert Thomas für „Acht Frauen“ 1961/62 mit dem Preis Quai des Orfèvres ausgezeichnet wurde, der bis dahin nur für Kriminalromane verliehen wurde.
Die Erfolgsgeschichte der Kinoversion von „Acht Frauen“ in der Regie von François Ozon erlebte Robert Thomas nicht mehr. Er starb 1989 in Paris.
 
Am Renaissance-Theater Berlin stand „Acht Frauen“ in der Inszenierung von Dietmar Pflegerl in der Spielzeit 2002/2003 auf dem Spielplan.
 
Aus einem Interview mit Robert Thomas:
Niemand ist, falls er Phantasie hat, dagegen gefeit, diese zu unterdrücken. Und kein Psychologe würde so unklug sein, das Aussprechen auch noch so verrückter Dinge zu verbieten. Durch das Aussprechen ist viel zur Vermeidung praktischer Ausführung getan. Und das Aussprechen kann gleichzeitig ein Spielen verursachen. Und an diesem Spielen nehmen die Theaterzuschauer mit Vergnügen teil. Sie durchleben in dem Augenblick hautnah, unvermittelt Dinge, die sie gesehen, gehört, gelesen oder vielleicht sogar selbst schon als Albtraum erlebt haben. Und darin liegt der Reiz eines Theaterkriminalstückes. Es wäre somit Bigotterie, wollte man den Krimi als überflüssig abtun oder ihn als verderbend abkanzeln. Sein Stellenwert ist unbestreitbar im Spielplan eines Theaters. Als Romancier würde ich überhaupt nichts taugen. Ich selbst bin ein Schwätzer und kann nur Dialoge schreiben. Die Handlung eines Krimis ist etwas sehr Problematisches. Es ist beklemmend, immer wieder neue, ebenso spannende Einfälle haben zu müssen. Das Publikum muss immer wieder in Erstaunen versetzt werden, denn bleiben Spannung und Erstaunen aus, ist das Stück schlecht, und das kann ich mir nicht leisten.
Alles außer Theater langweilt mich. Hier lebt man wirklich und in ganz besonderer Weise: Auf der Bühne gibt man Leben wieder und dabei fühlt man sich wohl in seiner Haut. Welche Leute ich schwerlich ertrage? Schöngeister, Ehrgeizler und Snobs. Leute, die nur mit Worten reden, die sie am Abend vorher gelesen haben. Wirklich gute Autoren brüsten sich nicht, sie leben zurückgezogen und schreiben ihre Werke im Stillen. Die meisten großen Persönlichkeiten sind einfach und anspruchslos."
Quelle: Bühnen- und Musikverlage Ahn & Simrock Per H. Lauke
 
(Stand: Mai 2003)
 

Aufführungen:
ACHT FRAUEN
ACHT FRAUEN -Wiederaufnahme-
ACHT FRAUEN -Gastspiel des RT-

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