Renaissance Theater Berlin
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Oscar Wilde / Elfriede Jelinek
Oscar Wilde wird am 16. Oktober 1854 als zweiter Sohn des namhaften Arztes William R. W. Wilde und dessen Ehefrau, der Dichterin Jane Francesca Elgee, in Dublin geboren. Nach dem Besuch des Trinity College in Dublin und einer Italienreise beginnt er im Oktober 1874 in Oxford klassische Literatur zu studieren.

Mit 25 Jahren zieht er nach London und teilt sich dort mit dem Künstler Frank Miles eine Wohnung. Bald gehört er zu den stadtbekannten Dandys. Auf den Abendgesellschaften vertritt er eitel und geistreich seine unkonventionellen Ansichten, ist dabei exquisit gekleidet und verhält sich zwar exzentrisch, verfügt jedoch über vollendete Manieren.

1880 erscheint sein erstes Bühnenwerk „Vera und die Nihilisten“, 1881 folgen die „Poems“ und eine Vortragsreise durch die USA und Kanada. Bei einem Aufenthalt in Paris lernt er 1883 die Schriftsteller Alphonse Daudet, Edmond de Goncourt, Victor Hugo, Paul Verlaine und Émile Zola sowie die Künstler Edgar Degas und Camille Pissarro kennen. 1884 heiratet er in Dublin Constance Lloyd. Die Söhne Cyril und Vyvyan werden 1885 und 1886 geboren.

Von 1887 bis 1889 verdient er seinen Lebensunterhalt bei der „Pall Mall Gazette“ und als Herausgeber des Frauenmagazins „The Woman’s World“. 1887 erscheint u. a. die Erzählung „Das Gespenst von Canterville“. Die Märchensammlung „Der glückliche Prinz und andere Erzählungen“ werden 1888 publiziert. 1890/91 folgt die Veröffentlichung des Romans „Das Bildnis des Dorian Gray“.

 Fast zeitgleich lernt Wilde den weit jüngeren Lord Alfred Bruce „Bosie“ Douglas (1870-1945) kennen. Es beginnt eine leidenschaftliche Freundschaft und die beiden beziehen gemeinsam ein Cottage. Wilde schreibt nun vor allem Gesellschaftskomödien. „Lady Windermere’s Fächer“ und  „Eine Frau ohne Bedeutung“ werden uraufgeführt. 1895 kommen die beiden Komödien „Ein idealer Gatte“ und „Bunbury oder Die Bedeutung, ernst zu sein“ auf die Bühne und werden enthusiastisch aufgenommen. Das Jahr der größten Triumphe als Dramatiker ist auch der Beginn des Untergangs. Die Beziehung zu Lord Alfred Douglas führt schließlich dazu, dass er vom Vater seines Freundes der Homosexualität bezichtigt wird. Ein aufreibender und von der Öffentlichkeit streng beobachteter Rechtsstreit beginnt. Dieser endet nicht nur mit dem Freispruch des Beschuldigten - Wilde klagte Lord Alfred Douglas Vater der Verleumdung an - sondern auch mit der Verhaftung des Klägers und Verbüßung einer zweijährigen Gefängnisstrafe mit Zwangsarbeit.

Noch am Tage seiner Entlassung am 19. Mai 1897 schifft sich Oscar Wilde nach Frankreich ein, um nie wieder englischen Boden zu betreten. Er lebt von nun an vor allem von der finanziellen Unterstützung seiner Freunde. Immer wieder kommt es zu gelegentlichen Zusammenkünften von Wilde und Lord Douglas, doch Wilde versucht sich von ihm zu lösen. Wildes Gesundheitszustand verschlechtert sich als Folge einer unbehandelt gebliebenen Mittelohrentzündung, die er sich während der Haft zugezogen hat. Am 30. November 1900, stirbt er im Pariser Hôtel d´Alsace mit den letzten Worten: „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.“ Lord Alfred Douglas übernimmt die Kosten für die Bestattung in Bagneux bei Paris. Neun Jahre später werden die Gebeine auf den Prominentenfriedhof Père Lachaise in Paris überführt.

 

Elfriede Jelinek, 1946 geboren, wuchs in Wien auf. Bereits mit vier Jahren erhielt sie Ballett- und Französischunterricht, in der Folgezeit eine umfassende musikalische Ausbildung. 1960 begann sie am Wiener Konservatorium Klavier und Komposition zu studieren. Nach dem Abitur 1964 wechselte sie an die Universität Wien und studierte Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. 1967 brach sie ihr Studium ab und begann zu schreiben. Lyrik und Prosatexte erschienen in Anthologien und Literaturzeitschriften vor ihrer ersten Buchveröffentlichung 1970 „wir sind lockvögel baby“.

Mittlerweile zählt Elfriede Jelinek zu den bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren. Neben Lyrik, Essays, Übersetzungen, Hörspielen, Drehbüchern und Opernlibretti umfasst ihr Werk die Romane „Michael. Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft“ (1972), „Die Liebhaberinnen“ (1975), „Die Ausgesperrten“ (1980), „Die Klavierspielerin“ (1983), „Lust“ (1989), „Die Kinder der Toten“ (1995), „Gier“ (2000) sowie den Prosaband „Oh Wildnis, oh Schutz vor ihr“ (1985) und den Privat- bzw. Internetroman „Neid“ (2007-2008).

Für „MACHT NICHTS - Eine kleine Trilogie des Todes“ und „Das Werk“ erhielt sie 2002 bzw. 2004 den Mülheimer Dramatikerpreis, der ihr ebenso 2009 für „Rechnitz (Der Würgeengel)“ und 2011 für „Winterreise“ verliehen wurde.In den Kritikerumfragen der Zeitschrift Theater heute wurde Elfriede Jelinek jeweils mit „Totenauberg“, „Stecken, Stab und Stangl“, „Ein Sportstück“, „Rechnitz (Der Würgeengel)“ und „Winterreise“ zur Besten Dramatikerin des Jahres gewählt.

Ausgezeichnet wurde Elfriede Jelinek u. a. mit dem Österreichischen Staatsstipendium für Literatur (1973), der Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Bad Gandersheim (1978), dem Drehbuchpreis des Bundesinnenministeriums der Bundesrepublik Deutschland (1979), dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (1986), dem Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum und dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen (beide 1994), dem Bremer Literaturpreis (1996), dem Georg-Büchner-Preis (1998), dem Theaterpreis Berlin 2002, dem Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf (2002), dem Else-Lasker-Schüler-Preis 2003 für ihr dramatisches Gesamtwerk und dem Lessing-Preis für Kritik (2003). Für die Hörspielfassung von Jackie (Teil 4 der Prinzessinnendramen) erhielt sie 2004 den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Ebenfalls 2004 wurde sie in Schweden mit dem Stig-Dagerman-Preis sowie in Tschechien mit dem Franz-Kafka-Literatur-Preis ausgezeichnet.

Im Dezember 2004 erhielt Elfriede Jelinek als erst zehnte Frau in seiner Geschichte den Nobelpreis für Literatur.


Aufführungen:
BUNBURY oder WIE WICHTIG ES IST, ERNST ZU SEIN
BUNBURY oder WIE WICHTIG ES IST, ERNST ZU SEIN -Gastspiel des RT-
DER IDEALE MANN