Renaissance Theater Berlin
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Eugene O´Neill
Eugene O’Neill wurde am 16. Oktober 1888 in New York City geboren. Sein Vater, James
O'Neill, war in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg einer der bekanntesten
Schauspieler. Mutter Ella begleitete ihren Mann auf all seinen Tourneen, brachte die beiden
Söhne, James junior und Eugene auf den Tourneen zur Welt, und auch Eugene begleitete als
Kind seinen Vater auf vielen Tourneen durch die USA. Danach verbrachte er sechs Jahre auf
einem katholischen Internat und drei Jahre auf der Betts Academy in Stamford,
Connecticut. Mit 18 Jahren begann er 1906 ein Studium an der Princeton University, wurde
aber bald darauf suspendiert und verließ die Universität.
Zwischen 1909 und 1912 führte er ein bewegtes Leben, das die thematische und stoffliche
Grundlage für seine späteren Stücke liefern sollte. 1909, mit 21 Jahren, heiratete er seine
erste von drei Frauen und wurde drei Jahre später geschieden. Er jobbte als Gold-Prospektor
in Honduras, als Bühnenarbeiter, Schauspieler, Tramp, Reporter. Als Seemann war er für
mehrere Seereisen nach Südamerika und Südafrika unter Heuer. Zu seinen Jobs gehörte in
dieser Zeit auch das Hüten von Mauleseln auf einem Viehdampfer. Im Jahr 1912 lebte er in
New York City und war zuhause in billigen Absteigen und Kneipen.
Im Dezember 1912 erfuhr sein Leben eine Wende: Er erkrankte an Tuberkulose und zog sich
für sechs Monate in ein Sanatorium zurück. Während dieser Zeit begann er zu lesen: neben
klassischen Dramen moderne europäische Dramatiker und Dichter wie den Deutschen
Wedekind (1864-1918), den Norweger Ibsen (1828-1906) und den Schweden Strindberg
(1849-1912), der ihn ganz besonders beeinflußte. In dieser Zeit der Rekonvaleszenz und
Lektüre erhielt er den Anstoß, selbst Stücke zu schreiben. Er eignete sich allerdings auch
solides Handwerkszeug dafür an, indem er ein Jahr lang (1914/15) in Harvard unter dem
berühmten Theaterwissenschaftler George Pierce Baker Techniken des Stückeschreibens
studierte.
Eine entscheidende Begegnung fand im Jahr 1916 statt: O'Neill traf in Provincetown,
Massachusetts, auf eine Gruppe von Schauspielern, die gerade die Provincetown Players,
eine experimentelle Theatergruppe, gegründet hatten. Sie führten seinen Einakter „Bound
east for Cardiff“ auf. Weitere Stücke folgten, und bald bildeten O'Neills Stücke das Haupt-
Repertoire der Gruppe. Eine äußerst fruchtbare Verbindung war entstanden: O'Neill hatte
eine Theatertruppe quasi zur Verfügung, die seine Stücke spielte, und umgekehrt besaßen
die Provincetown Players in O'Neill einen Stückeschreiber, der ihnen Material zur Verfügung
stellte, mit dem sie das amerikanische Theater revolutionieren konnten.
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1920 wurde sein Stück „Jenseits vom Horizont“ bereits auf dem Broadway aufgeführt und
gewann ein Jahr später den Pulitzer-Preis. Von da an wurde O'Neill berühmt, seine Stücke
wurden in Amerika und im Ausland aufgeführt. 1928 gewann er mit „Seltsames
Zwischenspiel“ den zweiten Pulitzer-Preis. Als die Provincetown Players sich schließlich
auflösten, war O'Neill der führende amerikanische Dramatiker. 1936 wurde seine Karriere
gekrönt durch den Literatur-Nobelpreis - den bis dahin noch kein amerikanischer Dramatiker
erhalten hatte.
Zu dieser Zeit hatte seine Karriere den Zenith bereits überschritten. Eine neue Generation von
Literatur- und Theaterkritikern durchleuchtete seine Stücke anders und kritischer als ihre
Vorgänger, die vor allem stolz darauf gewesen waren, zum ersten Mal einen amerikanischen
Dramatiker von Weltruf zu haben. O'Neills Ruhm verblasste, und er geriet mehr oder weniger
in Vergessenheit.
In diesen Jahren aber, in denen er nicht mehr im Rampenlicht stand, reifte seine
Produktivität, und er schrieb seine besten und berühmtesten Stücke wie „Der Eismann
kommt“ (1939) und „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ (1939-1941). Die meisten dieser
Stücke aus seinem Spätwerk wurden nicht mehr zu seinen Lebzeiten aufgeführt.
1944 wurde das künstlerische Schaffen des 56-jährigen O'Neill abrupt beendet durch eine
schwere, dem parkinsonschen Syndrom ähnliche Nervenerkrankung, die weiteres Arbeiten
unmöglich machte. Er verbrachte unglückliche und einsame letzte Jahre und starb am 27.
November 1953 in Boston an einer Lungenentzündung.
Drei Jahre nach seinem Tod, 1956, wurde O'Neills Werk wieder entdeckt. „Eines langen Tages
Reise in die Nacht“ wurde uraufgeführt und gewann 1957, posthum, den Pulitzer-Preis. Heute
gilt Eugene O'Neill nicht nur als der erste große amerikanische Dramatiker, sondern immer
noch als einer der bedeutendsten des Landes.

Aufführungen:
EINES LANGEN TAGES REISE IN DIE NACHT
EINES LANGEN TAGES REISE IN DIE NACHT