Renaissance Theater Berlin
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MICHAEL KOHLHAAS - Heinrich von Kleist gelesen von Jürgen Thormann

Heinrich von Kleists Erzählung „Michael Kohlhaas“ aus dem Jahr 1810 wird bis heute als eine präzise Studie über die Eskalation von Gewalt gelesen.

Kleist erzählt darin vom rechtschaffenen Rosshändler Kohlhaas, dem an der Grenze zwei Pferde als Pfand abgenommen werden. Als er zurückkehrt, sind die Rösser durch Feldarbeit ruiniert. Kohlhaas verlangt vor Gericht Schadensersatz. Als ihm dieser verwehrt wird, beginnt er einen Rachefeldzug, der zusehends seiner Kontrolle entgleitet. Unschuldige werden getötet und ganze Landstriche verwüstet. Ähnlich wie bei heutigen Gewaltexplosionen - z. B. in den Randbezirken der Großstädte, den Slums der Metropolen - geht es in Kleists „Michael Kohlhaas“ um den Widerstand der Wehrlosen, der aus berechtigtem Grund beginnt, aber in einem Blutbad endet.

Der Autor beschreibt die Sogwirkung einmal entfesselter Gewalt. Mit dem ursprünglichen Anlass haben die brutalen Ereignisse bald nichts mehr zu tun. Auch weil die wachsende Schar seiner Mitkämpfer zum Teil von anderen Motiven geleitet wird als Kohlhaas selbst: Unzufriedenheit, Ausbeutung, materiellen Interessen.

Heinrich von Kleist (1777 – 1811) war einer der größten Dichter deutscher Sprache – und dennoch eine in vieler Hinsicht tragische Figur. Wie bis heute kaum einem anderen Autor gelang es ihm, aus den Nöten seiner eigenen unglücklichen Existenz ein Werk zu destillieren, das an beunruhigender Faszination bis heute in der deutschen Literatur ohnegleichen ist.

Es liest Jürgen Thormann anlässlich des 208. Todestages von Heinrich von Kleist am 21. November 2019.

Kartenpreise: 18,00 € / ermäßigt 12,00 €

Bei unseren Veranstaltungen im Bruckner-Foyer können Sie Ihre Plätze frei wählen. Rechtzeitiges Erscheinen sichert Ihnen die besten Plätze. Das Getränkebuffet ist vor der Vorstellung und in der Pause geöffnet.
Foto: Barbara Braun / drama-berlin.de